Ein Ausblick auf die künftige Designsprache von Porsche, ein Luftreiniger, dessen neue Luftführung die äußere Form bestimmt, und eine mechanische Uhr, die ohne klassische Zeiger auskommt: Der Chapter »Radar« Oktober versammelt fünf Neuheiten aus unterschiedlichen Bereichen des Designs. Dazu gehören eine Leuchte, deren Konstruktion zugleich der Raumakustik dient, und eine Ausstellung, die Architekturgeschichte zum Mitspielen einlädt.
Ressence TYPE 10: Mechanik unter Öl
Mit der TYPE 10 DN präsentiert die belgische Uhrenmarke Ressence erstmals eine ölgefüllte Uhr mit einem selbst entwickelten Kaliber. Das neue Automatikwerk RW-04 arbeitet in einer luftgefüllten Kammer und überträgt seine Bewegung über Magnete auf die rotierenden Anzeigescheiben im Öl. Diese ersetzen klassische Zeiger und scheinen durch die Ölfüllung unmittelbar unter dem Saphirglas zu liegen.

Auch das Gehäuse folgt einem konsequenten Gestaltungsansatz: Es kommt ohne Krone aus, Aufzug und Zeiteinstellung erfolgen über den Gehäuseboden. Die fließende Form des 41,5 Millimeter großen Titangehäuses setzt sich im integrierten Kautschukarmband fort. Trotz insgesamt 538 Bauteilen wiegt die Uhr lediglich 82 Gramm. Die dunkelblaue Ressence TYPE 10 DN ist auf 100 Exemplare limitiert und ab November 2026 erhältlich.

Porsche Mission S: Zurück zum Wesentlichen
Während (terminlich ungünstigerweise) Tesla am 15. Oktober mit einem fliegenden Roadster-Prototyp für weltweites Aufsehen sorgte, blieb Porsche am selben Tag lieber auf dem Boden. Mit dem Mission S präsentierte der Sportwagenhersteller ein für die Marke enorm wichtiges Visionsmodell, das einen Ausblick auf seine künftige Designsprache gibt.

Der Mittelmotor-Supersportwagen soll oberhalb des 911 positioniert werden und greift charakteristische Elemente früherer Porsche-Modelle auf: die ausgeprägten Kotflügel des 911, die flache Front des 911 GT1 und eine Dachlinie, die an den 959 erinnert. Besonders interessant ist der Innenraum. Porsche verzichtet auf ein fest installiertes Zentraldisplay und setzt auf klassische Schalter sowie fünf Rundinstrumente. Der Drehzahlmesser arbeitet mit analoger Nadel vor einem Display und rückt je nach Fahrmodus näher an den Fahrer.

Auch die Anordnung der Instrumente verändert sich entsprechend dem gewählten Modus. Für Navigation und zusätzliche Informationen lässt sich bei Bedarf das eigene Smartphone als Display integrieren. Ein bemerkenswerter Gegenentwurf zu den zunehmend bildschirmdominierten Cockpits moderner Fahrzeuge.

Dyson HushJet: Form folgt Luftstrom
Mit seiner im September vorgestellten HushJet-Reihe hat Dyson die Gestaltung seiner Luftreiniger grundlegend überarbeitet. Auffälligstes Merkmal ist die sternförmige Luftaustrittsdüse mit acht geschwungenen Lamellen, deren Geometrie den Luftstrom gezielt in den Raum lenkt. Die Konstruktion nimmt Anleihen an der Luft- und Raumfahrttechnik und erinnert zugleich an die Aufsätze der Dyson-Haartrockner.

Auch die innere Luftführung wurde überarbeitet, um Strömungsgeräusche bereits an ihrer Entstehungsstelle zu reduzieren. Erstmals richtet Dyson die Düse eines Luftreinigers nach vorn aus. Ja nach Anwendung lässt sie sich zudem verstellen: nach vorn für Kühlung und Reinigung zugleich, nach oben geneigt für die reine Luftreinigung. Mit ihren zylindrischen Gehäusen und den skulpturalen Luftauslässen erhält die neue Produktfamilie eine eigenständige Formensprache, die unmittelbar aus ihrer technischen Funktion entwickelt wurde. Die drei Modelle der neuen HushJet-Reihes ollen Anfang 2027 auf den Markt kommen.

PROLICHT Iluna: Licht trifft Akustik
Mit Iluna erweitert der international tätige österreichische Leuchtenhersteller PROLICHT seine Acoustic-Familie um eine Pendelleuchte, bei der Lichtgestaltung und Raumakustik unmittelbar zusammenhängen. Charakteristisch sind die Akustiklamellen, die den Leuchtenkörper formen und zugleich den seitlichen Einblick auf die Lichtquelle verdecken. Die neue Serie ist in den beiden Geometrien Cone und Round in jeweils drei Größen erhältlich. Für die Beleuchtung stehen unterschiedliche Systeme zur Auswahl, darunter Bilo, Invader und Sign sowie eine E27-Fassung.

Die Verbindung von Licht und Schallabsorption ist international längst eine eigene Produktkategorie. Artemide etwa führt mit The Acoustic Light eine Linie, deren Absorber auf die Frequenzen der menschlichen Stimme abgestimmt sind – der Anlass sind Großraumbüros mit harten Oberflächen, in denen eine Pendelleuchte ohnehin dort hängt, wo gesprochen wird. Meist ist der Absorber dabei eine Platte, die an der Leuchte sitzt. Bei Iluna bestimmt hingegen die Akustik die Konstruktion selbst: Die akustisch wirksamen Lamellen definieren hier zugleich das Erscheinungsbild der Leuchte.

MAK: Architektur zum Mitspielen
Wie sah die Architektur der Zukunft aus, als man sie noch aus Holz, Metall oder künstlichen Ziegelsteinen zusammensetzte? Die Ausstellung »Architekturbaukästen 1890–1990« im Wiener MAK verwandelt mehrere Räume des Museums in eine interaktive Spielfläche und zeigt, wie sich Architekturgeschichte im Kinderzimmer widerspiegelte.

© Sammlung Claus Krieger
Rund 70 historische Baukästen aus der Privatsammlung des Grafikers Claus Krieger veranschaulichen den Wandel der Baustile – von den reich verzierten Bauten der Gründerzeit bis zu Plattenbauten in der DDR. Dabei erzählen die unterschiedlichen Konstruktionssysteme auch von den technischen Möglichkeiten ihrer Zeit.

ARCHITEKTURBAUKÄSTEN 1890–1990. Die große Mitspielausstellung
MAK Säulenhalle 1. Stock
© MAK/Christian Mendez
Konzipiert hat die Ausstellung das Deutsche Architekturmuseum, Gastkurator ist Oliver Elser. Sie lädt ausdrücklich zum Mitmachen ein: An acht Spielstationen lassen sich historische Bausysteme ausprobieren, deren Bausteine teilweise eigens in vergrößertem Maßstab nachgebildet wurden. In der Säulenhalle steht eine 3,2 Meter hohe Kathedrale aus mehr als 4.000 Filzbausteinen. Die Ausstellung ist noch bis zum 14. März 2027 zu sehen. [RED]


