Ein Hotel wie im Film

Chapter »En Suite«: SLS Hotel Beverly Hills

main lobby of the sls hotel beverly hills with interior design objects by designer philippe starck

Wenn Philippe Starck Hotels gestaltet, fühlt er sich, als würde er als Regisseur an einem von Poesie, Humor und Surrealismus geprägten Filmprojekt arbeiten. So beschreibt der französische Designer selbst seinen Ansatz. Das trifft auch auf das von ihm entworfene SLS Hotel Beverly Hills zu, dessen Gestaltung mit unterschiedlichen Referenzen und überraschenden Details spielt. Wie in einem Film setzt Starck dabei Raum für Raum zu einer Folge unterschiedlicher Szenen zusammen.

Zum umfangreichen Werk des französischen Architekten und Designers Philippe Starck gehören neben ikonischen Alltagsgegenständen, prägenden Möbelentwürfen und aufsehenerregenden Yachten auch zahlreiche Hotels. Mit seinen Hotelprojekten hat Starck die Entwicklung der Branche über Jahrzehnte mitgeprägt. Dazu gehört auch das 2008 eröffnete SLS Hotel Beverly Hills. Zehn Jahre später wurden die 234 Zimmer und 63 Suiten von Dakota Development, Muzeo und Avenue Interior Design umfassend renoviert, wobei wesentliche Elemente von Starcks ursprünglichem Entwurf erhalten blieben.

lobby of the sls hotel beverly hills with interior design objects by designer philippe starck

Wenn er Hotels entwirft, fühle er sich wie ein Filmregisseur, macht ein auf seiner Website publiziertes Zitat deutlich. »The hotels I create are like a movie of which I am the director. I imagine the coming and going of people, what they are going to experience, and what they will feel. I create stories borrowed from love, humor, poetry, tenderness, surrealism, and art.« 

dining table at the sls hotel beverly hills with interior design objects by designer philippe starck

Die Lebendigkeit, die in dieser Aussage mitschwingt, findet sich auch in der Gestaltung des Hotels wieder. Starck verbindet Midcentury-Referenzen mit surrealistischen, teils skurril anmutenden Details. Unterschiedliche Materialien, Spiegelungen und unerwartete Objekte erzeugen eine hohe visuelle Dichte. Trotz dieser Fülle wirken die Räume nicht überladen. Kurz: Starcks gestalterischer Ansatz hält das Auge auf Trab, überfordert es jedoch nicht. 

dining room sls hotel beverly hills with interior design objects by designer philippe starck

Zwischen den visuellen Inszenierungen finden sich immer wieder ruhigere Bereiche mit Sitzgruppen und Loungemöbeln. Viele der für Starcks ursprünglichen Entwurf charakteristischen Elemente sind bis heute erhalten. Maßgefertigte Möbel, skulpturale Leuchten, große Spiegel, verspielte Motive und überraschende künstlerische Akzente prägen die Atmosphäre des Hotels.

design detail room of the sls hotel beverly hills with interior design objects by designer philippe starck

Zum Hotel gehört außerdem das Restaurant »The Nook«, das sich auf Gerichte mit Bezug zu Kalifornien spezialisiert hat. Auf der großzügigen Dachterrasse befinden sich ein weiteres Restaurant, eine Bar und ein Pool. Interessanter ist die Aufteilung der Lobby: Ein Bereich ist ausschließlich Hotelgästen vorbehalten, während der zweite das Hotel zum Restaurant und zum lokalen Nachtleben hin öffnet.

rooftop of the sls hotel beverly hills with interior design objects by designer philippe starck

Die Öffnung eines Teils des Hotels für ein breiteres Publikum lässt sich auch im Zusammenhang mit Starcks Verständnis von Design sehen. Gestaltung sollte für ihn möglichst vielen Menschen zugänglich sein. »Als ich zum ersten Mal in die Welt des Designs eintrat, wurde mir schnell bewusst, wie exklusiv sie war. Schöne Objekte waren oft teuer, nur wenigen Privilegierten vorbehalten und schwer zugänglich. Dieser Elitismus beunruhigte mich zutiefst, da ich schon immer an das Teilen geglaubt habe, sei es von Wissen, Ressourcen oder Ideen«, hielt der 1949 als Sohn eines Luftfahrtingenieurs geborene Architekt und Designer in einem Interview mit dem Kunstmagazin Monopol  fest.

rooftop pool of the sls hotel beverly hills with interior design objects by designer philippe starck

Diese Überzeugung veranlasste ihn dazu, das sogenannte »Democratic Design« zu entwickeln, also »hochwertige Produkte zu erschwinglichen Preisen anzubieten, damit sie für möglichst viele Menschen zugänglich sind. Später habe ich dieses Prinzip auf die Architektur ausgeweitet – mit der Vision von inklusiven, für alle offenen Räumen, die in ihrem lokalen Kontext verwurzelt sind: sei dieser eine Stadt, ein Stadtteil oder eine Gemeinde.«

presidential suite of the sls hotel beverly hills with interior design objects by designer philippe starck

Wer auf sein Gesamtwerk blickt, wird Folgendes feststellen: Es gibt kaum etwas, das Philippe Starck nicht entworfen hat – Yachten, Hotels, Häfen, Eurostar-Lounges, Handys, Uhren, Stühle, Restaurants. Außerdem hat er eine Bier- und eine Parfümmarke entwickelt. Seine Hotels geben ihren Gästen das Gefühl, für kurze Zeit in den Kopf des Designers einsteigen zu dürfen, um Teil seines – nicht immer vollständig in der Realität verwurzelten – Films zu werden. [SW]

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