Der Ursprung liegt im Inneren

Chapter »En Suite«: Azuma Farm Koiwai von Hotelier Adrian Zecha

Farm houses of Azuma Farm Koiwai by Adrian Zecha

Orte, die später als luxuriös wahrgenommen werden, beruhen meist auf einer klaren Vorstellung davon, wie sie genutzt und erlebt werden sollen. Adrian Zecha, der mit Amanpuri auf Phuket den Grundstein für Aman legte, hat daraus ein Verständnis von Gastlichkeit entwickelt, das bis heute als Maßstab gilt. Sein Denken wurzelt in der subtilen, oft im Hintergrund bleibenden Gestaltung von Raum für Erfahrung, Ruhe und Präsenz. Mit Azuma Farm Koiwai, das im April 2026 in der japanischen Präfektur Iwate eröffnet hat, führt Zecha diesen Gedanken fort – und zugleich an seinen Ursprung zurück.

Gelegen am Fuße des Mount Iwate, in einer historischen Farmlandschaft und eingebettet in eine weitläufige, von Natur und Landwirtschaft geprägte Umgebung, steht Azuma Farm Koiwai  sinnbildlich für die Konzentration auf das Wesentliche. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit von Azumi Japan und der East Japan Railway Company und ist die erste Destination der neuen Marke Azuma Farm. Der Ort selbst blickt auf mehr als 130 Jahre landwirtschaftliche Geschichte zurück: Die Koiwai Farm  zählt zu den bedeutendsten historischen Farmlandschaften Japans; 21 ihrer Gebäude sind als wichtige nationale Kulturgüter ausgewiesen. In diesem Kontext versteht sich Azuma Farm Koiwai  als Hotel im westlichen Sinne – und zugleich als Ort des Aufenthalts in einem umfassenderen Verständnis.

Interior design of Azuma Farm Koiwai by Adrian Zecha

Im Zentrum steht ein Konzept, das sich am Leben auf der Farm orientiert: am Verständnis von Herkunft, am Arbeiten mit Materialien und an Zeit als erfahrbarer Dimension. Gäste bewegen sich durch eine Umgebung, in der Natur, Handwerk und Alltag in einem lebendigen Zusammenhang ineinandergreifen. Kulinarik, Aktivitäten und räumliche Erfahrung wirken als Teile eines größeren Ganzen. Dazu gehören geführte Radtouren, Reiten auf der Farm, regionale Ausflüge zu Lackkunst und Sake-Produktion sowie Programme, die mit dem Handwerk und den Traditionen Nordjapans verbinden.

Interior design of Azuma Farm Koiwai by Adrian Zecha

Wenn Architektur und Landschaft sonst oft visuell ineinandergreifen, treten sie hier in ein bewusst zurückhaltendes Verhältnis zueinander. Entworfen wurde das Projekt von dem in Kyoto ansässigen Architekten Shiro Miura, Gründer von Rokukaku-ya. Die Architektur bezieht sich auf die historischen Kuhställe der Koiwai Farm  und übersetzt deren landwirtschaftliche Typologien in eine zeitgenössische Form. Vertiefte Dachlinien erinnern an die Tragwerke der ursprünglichen Gebäude und schaffen eine stille Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die 24 Villen entstehen aus lokalen Materialien, darunter etwa 100 Jahre alte Zypressen und Rotkiefern aus der Umgebung; in den Forest Villas verankert ein zentraler Kastanienholzpfeiler aus Iwate den Raum zusätzlich im Ort.

Azuma Farm Koiwai by Adrian Zecha

Auch die Küche folgt dieser Rückbindung an Landschaft und Herkunft. Unter der Leitung von Chef Yoshitaka Oyama entsteht eine kulinarische Sprache, die von französischer Ausbildung geprägt ist, aber die Produkte und Jahreszeiten Tohokus in den Mittelpunkt stellt. Statt einer streng traditionellen japanischen Form geht es um eine präzise, zutatenbezogene Küche, die mit lokalen Bauern und Produzenten verbunden bleibt. Für längere Aufenthalte ergänzt Okibi, ein kleiner Pavillon mit Holzkohlegrill und U-förmigem Tresen, diese Erfahrung um eine gemeinschaftliche, vom Feuer bestimmte Form des Essens. Wellness-Angebote wie private Badepavillons und künftig auch eine natürliche heiße Quelle erweitern den Aufenthalt um eine weitere Dimension der Ruhe und Regeneration.

Spa interior design of Azuma Farm Koiwai by Adrian ZechaInterior design of Azuma Farm Koiwai by Adrian Zecha

Gerade hier zeigt sich die Kontinuität zu Zechas früherem Werk. Was bei Aman  als radikale Reduktion begann, wird hier wieder aufgegriffen – jedoch mit einer noch stärkeren Rückbesinnung auf den Ursprung der Dinge und des Daseins selbst. Qualität entsteht auch aus Genauigkeit, und man könnte behaupten, dass das, was später als luxuriös wahrgenommen wird, immer aus einer inneren Klarheit hervorgeht. Gestaltung und Wirkung tauschen die Rangordnung: Überfluss wird ersetzt durch eine Form von Stimmigkeit, die schwer zu greifen, aber unmittelbar spürbar ist.
Azuma Farm Koiwai zeigt, dass die treibende Kraft hinter dem, was wir später konsumieren, oft noch immer die Vision eines Einzelnen ist – eine Vision, die dem Auftrag vieler dient. [Red.]

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