Im September richtet »Chapter Radar« den Blick auf fünf aktuelle Neuheiten und Ausstellungen aus unterschiedlichen Bereichen des Designs. Riva entwickelt mit der 96’ Argo Super seine Flybridge-Baureihe weiter, Volkswagen untersucht, wie konsequente Aerodynamik den Energiebedarf eines Elektroautos verändern kann, und Cartier bringt die Roadster zurück. Zwei Ausstellungen in Hamburg und Hongkong beschäftigen sich zugleich mit Entwurfsprozessen: mit dem Verhältnis von Reisen und Schreiben sowie mit der Frage, wie sich Architektur im Museum vermitteln lässt.
Schreiben und Reisen
Mit der Sonderausstellung »Words & Voyages« untersucht das Montblanc Haus in Hamburg seit Anfang September, wie das Reisen das Schreiben geprägt hat und welche Formen der Aufzeichnung daraus entstanden sind. Der Blick reicht dabei auch über Literatur hinaus. Auch Fotografie und Musik werden als Medien einbezogen, in denen Reiseerfahrungen festgehalten und verarbeitet werden. Besucher:innen können ein eigenes Reisetagebuch anlegen und an verschiedenen Stationen selbst schreiben. Die Szenografie erinnert an einen farbenfrohen Bahnhof und greift Motive aus Wes Andersons Kurzfilm »Let’s Write« für Montblanc auf. Ein Zugabteil aus dem Filmset ist Teil der Ausstellung.

Das Montblanc Haus selbst stammt von Nieto Sobejano Arquitectos. Der 2022 unmittelbar neben der Hamburger Schreibgeräte-Manufaktur eröffnete Bau ist mehr als 100 Meter lang und erscheint als nahezu geschlossener schwarzer Körper. Seine Form leitet sich von den historischen Verpackungen der Montblanc-Schreibgeräte ab – hinter der reliefierten Betonfassade liegen die Ausstellungsräume auf drei Ebenen.

Näher ans Wasser
Die neue 96’ Argo Super entwickelt Rivas Flybridge-Baureihe mit einem grundlegend neu gestalteten Heck weiter. Beim Cannes Yachting Festival feierte die Riva 96’ Argo Super ihr offizielles Debüt. Die 28,79 Meter lange Yacht war bereits im Juli in La Spezia vom Stapel gelaufen und ist eine Weiterentwicklung der 90’ Argo. Entworfen wurde die Riva 96’ Argo Super von Officina Italiana Design, dem langjährigen Designstudio von Riva, in Zusammenarbeit mit der Ferretti Group.

Die deutlichste Veränderung findet sich am Heck. Ein großes Sonnendeck ist direkt in die Garagenklappe integriert; davor lässt sich die Badeplattform über einen Hubmechanismus absenken. Auch die Raumaufteilung wurde verändert: Ein neues Tagesbad auf dem Hauptdeck schafft auf dem Unterdeck zusätzlichen Platz für die Gästekabinen. Große Verglasungen und die Anordnung der Möbel bringen mehr Tageslicht in die Master Suite.Beim World Yachts Trophies 2026 in Cannes wurde die 96’ Argo Super in der Kategorie 80 bis 98 Fuß für das beste Layout ausgezeichnet.

Wie lässt sich Architektur ausstellen?
Das M+, Hongkongs Museum für visuelle Kultur, beantwortet diese Frage mit einem Blick auf den Entwurfsprozess. »Herzog & de Meuron: In Focus« versammelt Modelle, Zeichnungen, Materialproben und Prototypen zu zehn realisierten und nicht realisierten Projekten des renommierte Schweizer Architekturbüros in China zwischen 2002 und 2021. Zu den realisierten Bauten zählen das M+ selbst, Tai Kwun in Hongkong und das Nationalstadion in Peking.

Die Präsentation greift dabei auf die Arbeitsweise des Büros zurück. Die Exponate liegen in exakten Nachbauten jener hölzernen Vitrinen, die Herzog & de Meuron für das eigene Kabinett in Basel entwickelten, in dem Modelle und Arbeitsmaterialien archiviert werden. Grundlage der Ausstellung ist eine Schenkung von mehr als 200 Objekten an die Sammlung des M+. »Herzog & de Meuron: In Focus« ist bis 10. Januar 2027 im M+ in Hongkong zu sehen.

Wenn Effizienz die Form bestimmt
Mit dem Mission Efficiency hat Volkswagen Mitte September ein seriennahes Konzeptfahrzeug vorgestellt, dessen Form konsequent auf einen möglichst geringen Energieverbrauch ausgerichtet ist. Der 2+2-Sitzer basiert auf der MEB+-Plattform und übernimmt zentrale Antriebskomponenten des neuen ID. Polo.

Ein cW-Wert von 0,158 bestimmt die ungewöhnliche Erscheinung. Die lang gestreckte Karosserie verjüngt sich zum Heck, die Hinterräder sind verkleidet und der Unterboden ist nahezu geschlossen. Speziell entwickelte Deflektoren führen die Luft an den Rädern vorbei. Volkswagen gibt für das straßenzugelassene Konzeptfahrzeug damit einen neuen Bestwert beim Luftwiderstand an. Mit weitgehend seriennaher Technik untersucht Mission Efficiency, welchen Einfluss Aerodynamik und Karosseriegestaltung auf den Energiebedarf eines Elektroautos haben können.

Die Rückkehr der Roadster
Im Oktober kommt die neu aufgelegte Cartier Roadster in die Boutiquen. Nach 14 Jahren kehrt damit ein Modell in die Kollektion zurück, das Cartier 2002 eingeführt hatte und dessen Gestaltung deutlich vom Automobil geprägt ist.

Für die Neuauflage wurde das tonneauförmige Gehäuse flacher und stärker in die Linienführung des Armbands integriert. Charakteristische Elemente blieben erhalten: Konzentrische Kreise auf dem Zifferblatt erinnern an einen Tachometer, die ausgeprägte Form um Krone und Datumslupe prägt weiterhin die Silhouette der Uhr.

Die Roadster erscheint in zwei Größen und in Stahl, Gelbgold sowie Bicolor. Das neu gestaltete Metallarmband lässt sich über Cartiers QuickSwitch-System werkzeuglos wechseln. Im größeren Modell arbeitet das automatische Kaliber 1847 MC, im kleineren das ebenfalls automatische 1899 MC. [Red.]


