Das Auto wurde zwar zur Personenbeförderung entwickelt, beim Roadster ist von dieser Zweckmäßigkeit jedoch nicht mehr viel zu spüren. Bei den leichten, sportlichen Zweisitzern steht nicht das Ankommen, sondern der Fahrspaß im Vordergrund. Zu den typischen Designmerkmalen gehören unter anderem eine lange Motorhaube, ein auffallend kurzes Heck und eine weit hinten sitzende Fahrgastzelle. Mit dem Frühlingsbeginn rückt diese Karosserieform auch saisonal wieder stärker ins Blickfeld. In einer zweiteiligen Serie stellt Chapter die prägendsten Roadster der Automobilgeschichte vor.
Mazda MX-5
Ende der achtziger Jahre waren vor allem in Europa kleine, bezahlbare Roadster Mangelware. Das änderte sich jedoch schlagartig, als am 10. Februar 1989 der erste Mazda MX-5 auf der Chicago Auto Show vorgestellt wurde und dem bislang stark vernachlässigten Segment zu neuer Blüte verhalf. Die Idee zum ikonischen Roadster entstand während eines Interviews, das der amerikanische Automobiljournalist Bob Hall im Jahr 1979 mit dem damaligen Mazda-Entwicklungschef Kenichi Yamamoto führte. Letzterer wollte kurz vor Ende des Interviews von Hall wissen, ob es ein Fahrzeug gäbe, das er im Portfolio von Mazda vermisse. Der Journalist antwortete, dass er sich einen preiswerten Roadster in der Tradition britischer Sportwagen wünsche. Dass daraus der erfolgreichste Roadster aller Zeiten werden würde, konnte damals niemand voraussehen.

Mazda MX-5 – erste Generation
Seither steht der MX-5, von dem es mittlerweile vier Generationen gibt, in erster Linie für Fahrspaß. Tatsächlich folgt der Roadster nicht einfach nur dem bei Mazda etablierten Ideal des »Jinba Ittai« – der harmonischen Einheit zwischen Pferd und Reiter –, er treibt es auf die Spitze. Einen Mazda MX-5 zu fahren, fühlt sich so an, als würde man sich das Fahrzeug anziehen. Nichts stört die Verbindung zwischen Fahrer:in und Auto, der Signature-Sound dazu ist das für den leichten Roadster typische »Klack, klack, klack« der mehr als nur direkten Schaltung. Die Frage, ob Cabrio oder Coupé, stellt sich – um Himmels Willen – nicht.

Mazda MX-5, aktuelle Modellgeneration, 2025
Mercedes-Benz SLK
Im April 1996 wurde der Mercedes-Benz SLK im Rahmen des Turiner Automobilsalons erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Bereits zwei Jahre zuvor hatten die beiden Designer Bruno Sacco und Peter Pfeiffer mit ihrem Entwurf zur SLK Studie für Wirbel gesorgt. Wie der Mazda MX-5 steht auch der Zweisitzer aus Stuttgart für Freiheit und Fahrspaß. Darüber hinaus gilt das kompakte Fahrzeug auch in punkto Technik als Vorreiter, denn mit seinem faltbaren Stahldach als Alternative zum klassischen Stoffverdeck gelang es Mercedes-Benz, Coupé und Cabrio in einem Fahrzeug zu vereinen.

Mercedes-Benz SLK 200, Baureihe R 170, in Farbe »yellowstone«
Mit dieser neuartigen Technologie und der überraschend geräumigen Kabine fand der Hersteller außerdem einen Weg, Sportlichkeit und Komfort geschickt zu verbinden. Seinen Namen erhielt der Roadster während der Konstruktionsphase, als ihn Ingenieure in Anspielung auf den deutlich größeren Mercedes-Benz SL als »SL kurz« bezeichneten. Im Januar 2004 wurde die zweite Generation des SLK vorgestellt. Wie sein Vorgänger verkörperte auch er die Verbindung aus Kompaktheit und sportlichem Fahrspaß, präsentierte sich jedoch mit neuer Frontgestaltung, die an den Supersportwagen SLR McLaren erinnerte. Im Jahr 2016 wurde der kompakte Roadster in SLC umbenannt und damit in die Familie der C-Klasse eingegliedert. 2019 ging die Ära des spritzigen Roadsters schließlich zu Ende.

Design Detail: Mercedes-Benz SLC 300 »Final Edition«
BMW Z3
Mit dem Z3 stieg BMW im Herbst 1995 ins Rennen um den besten Roadster aller Zeiten ein und bekam dabei prominente Unterstützung: Im James Bond-Klassiker »GoldenEye« fungierte der Zweisitzer als Dienstwagen von 007. Das Design des Z3 ging aus drei verschiedenen Entwürfen hervor, wobei sich schlussendlich das Konzept mit besonders langer Motorhaube und einem auffallend kurzen Heck durchsetzte. Mit seinen seitlichen Kiemen zitierte der sportliche Roadster außerdem den legendären, stark limitierten BMW 507. Zudem besaß der Z3 – der letzte lief 2002 vom Band – eine schwungvolle, tiefe Linienführung mit stark betonten Radläufen. Mit seinem sportlich abgestimmten Fahrwerk, seinem niedrigen Schwerpunkt und seiner direkten Lenkung präsentierte sich der Roadster außerdem als Garant für grenzenlosen Fahrspaß. 1998 wurde das Coupé präsentiert, das an das BMW 328 Sportcoupé aus den dreißiger Jahren erinnerte. 1999 erhielt der Z3 ein Facelift und präsentierte sich mit leichten Veränderungen im Bereich des Hecks und an der Front.

BMW Z3, Bauzeit 1995 – 2002
Der Z3 war im Übrigen nicht das einzige Modell aus der Baureihe, das einen Auftritt in einem James Bond-Film hatte. Auch der ebenfalls ikonische Z8, der von 1999 bis 2003 gebaut wurde, hatte einen etwa 15-minütigen Auftritt als Fahrzeug des berühmten britischen Geheimagenten. Der Z8 wurde von Henrik Fisker entworfen, der sich ebenfalls an der Roadster-Legende 507 orientierte.

BMW Z8 Roadster, 2000
Toyota MR2
Der erste Toyota MR2 von 1984 war das Resultat eines Designprojekts aus dem Jahr 1976 und der Versuch, ein Fahrzeug zu bauen, das kraftstoffeffizient und gleichzeitig ein richtiges Spaßpaket ist. Dabei orientierte man sich unter anderem am 1962 erstmals vorgestellten Toyota Sports 800. Mit seiner kompakten und praktischen Karosserie, seinem wendigen und athletischen Fahrverhalten, dem starken Motor und dem optionalen T-Bar-Dach präsentierte sich auch der MR2 als Fahrzeug, bei dem die Freude am Fahren im Vordergrund stand.

Toyota MR 2, Baureihe W10
Der MR2 war außerdem das erste in Serie produzierte japanische Automobil mit Mittelmotor. Fünf Jahre später lief die zweite Generation vom Band, bei der sich der japanische Hersteller jedoch von der kantigen, etwas expressiveren Form des Vorgängers verabschiedete. Toyota entschied sich jedoch dazu, den Mittelmotoraufbau des Originals beizubehalten, setzte insgesamt weiterhin auf Fahrspaß, brachte jedoch etwas mehr Komfort ins Spiel. Die dritte Generation wurde 1999 vorgestellt und bis 2007 gebaut. Seit rund zwei Jahren gibt es Gerüchte über die Wiedereinführung des Mittelmotor-Fahrzeugs. Mit dem auf der Japan Mobility Show 2023 vorgestellten Konzeptfahrzeug FT-Se konkretisierten sich die Vermutungen rund um eine mögliche Rückkehr. Zusätzlich ließ sich Toyota Ende 2025 das MR-Label in mehreren Ländern patentrechtlich schützen. [SW]

