Mit der Premiere des neuen BMW i3 rückt eine Baureihe in den Fokus, die wie kaum eine andere für den Kern und die Identität der Marke steht. Die 3er-Reihe bildet seit mittlerweile fünf Jahrzehnten das strukturelle Rückgrat des Portfolios und fungiert zugleich als Referenz für das, was BMW unter Fahrkultur versteht. Mit dem i3 wird diese Reihe nun in die Neue Klasse überführt – als zweites Modell einer Generation, die BMW als grundlegende Neuaufstellung in Design und Technologie versteht.
Neue Ära, Neue Klasse
»Die Neue Klasse ist so modern, dass es fast so aussieht, als ob wir eine ganze Generation übersprungen hätten«, betonte Adrian van Hooydonk, Leiter BMW Group Design, in den vergangenen Monaten immer wieder. Und gerade beim nun präsentierten i3 ist die gestalterische Nähe zur progressiven Studie Vision Neue Klasse, die 2023 als erster Ausblick auf das neue Markenkapitel vorgestellt wurde, durchaus bemerkenswert. Das Serienmodell übernimmt viele zentrale Prinzipien wie reduzierte Flächen, klare Proportionen und eine neu organisierte Front, in der Licht und Geometrie zusammengeführt werden. Als zweites Modell der Neuen Klasse – nach dem im September 2025 präsentierten iX3 – verkörpert der i3 damit einen deutlichen technologischen und gestalterischen Schritt, bleibt aber zugleich klar innerhalb der 3er-Logik verortet.

Der 3er, neu gedacht
Im Exterieur bleibt zunächst die Grundarchitektur des 3er klar ablesbar. Der neue BMW i3 folgt weiterhin den bekannten Proportionen mit langem Radstand, kurzen Überhängen und einer nach hinten versetzten Kabine. Neu ist aber vor allem die Gewichtung der Flächen. Die Karosserie wirkt geschlossener, Übergänge zwischen einzelnen Elementen treten in den Hintergrund.

Die Front greift zentrale Elemente der Marke auf, ordnet sie jedoch neu. Niere und Doppelscheinwerfer sind nicht mehr als getrennte Einheiten ausgeführt, sondern bilden eine zusammenhängende Struktur. Das Vier-Augen-Motiv bleibt erhalten, wird jedoch über eine durchgehende Lichtgrafik definiert, die sich nahezu über die gesamte Fahrzeugbreite erstreckt.

Am Heck setzt sich dieser Ansatz fort. Die Leuchten sind horizontal angelegt und weit in die Karosserie integriert, wodurch die Breite des Fahrzeugs stärker betont wird. Ausgeprägte Radhäuser und eine klar strukturierte Heckfläche stabilisieren den Auftritt. Im Innenraum verschiebt sich die bereits aus dem neuen iX3 bekannte Gestaltung in Richtung digitaler Ebenen: Anzeigen werden projiziert, physische Instrumente reduziert. Das neue Panoramic iDrive ordnet Information und Bedienung entlang der Sichtachse und verändert damit die Interaktion grundlegend.

Ergänzend dazu betont BMW die technischen Eckdaten des neuen i3, insbesondere auf die beeindruckende Reichweite von bis zu 900 Kilometern sowie deutlich verkürzte Ladezeiten, die das Modell klar als Langstreckenfahrzeug positionieren sollen.

Fünf Jahrzehnte 3er – ein Rückblick
Bereits 1975 rollte der erste 3er vom Band und bewies, dass Freude am Fahren kein Privileg der Oberklasse sein muss. Der Nachfolger der legendären 02er Reihe punktete sofort mit einer Mischung aus Kompaktheit, Fahrerorientierung, Agilität, Dynamik und intelligenter Technik. Eine Erfolgsformel, die ihre Gültigkeit bis heute behalten hat.

Der erste 3er übernahm die sportliche DNA des legendären 02ers und servierte sie mit einer etwas größeren Portion Komfort. Der damalige Chefdesigner Paul Bracq setzte auf klare Linien: Doppelniere, runde Doppelscheinwerfer bei den stärkeren Versionen oder gegen Aufpreis, coupéhafte Fensterlinie mit Hofmeisterknick und ein dezenter Muskel auf der Haube. 1981 knackte die erste Generation die Millionengrenze, bis 1983 kamen knapp 400.000 verkaufte Fahrzeuge dazu.

Mit der zweiten Generation, die im Jahr 1982 folgte, nahm die 3er-Modellreihe weiter Fahrt auf. Die Autos präsentierten sich mit gestrafften Linien, mattschwarzer B‑Säule, serienmäßigen Doppelscheinwerfern und mit 35 mm mehr Spur. Sowohl Vorder- als auch Hinterachse wurden überarbeitet und garantierten den markentypischen Mix aus Fahrfreude und Gelassenheit. 1986 kommt ein Cabrio mit eleganter Silhouette und tiefsitzender Schulterlinie dazu. Mit dem Touring bringt BMW 1987 noch mehr Sportlichkeit ins Kombisegment.

Die ab dem Jahr 1990 erhältliche dritte Generation punktete unter anderem mit mehr Platz im Innenraum. Gleichzeitig betonten kurze Überhänge und eine auffallend flache Silhouette die dynamische Linienführung des Fahrzeugs. Bei der 1998 vorgestellten vierten Generation wuchs das Platzangebot im Innenraum weiter an. Im Exterieur präsentierte sich das Modell sportlich und modern, was unter anderem auf die fließende Seitenlinie und den sanft geschwungenen Dachbogen zurückzuführen war.

Die fünfte Generation feierte 2005 auf dem Genfer Autosalon ihr Debüt: zunächst als viertürige Limousine – der Touring folgt kurz darauf und im Jahr 2006 auch das Coupé. Ansonsten standen die Zeichen weiterhin auf der bewährten Verbindung von Sportlichkeit und Komfort. Im neuen Cabrio sorgte das versenkbare Hardtop für mehr Ruhe bei hohem Tempo. Ab 2007 kamen auch die M3-Varianten von Coupé, Cabrio und Limousine hinzu – erstmals mit V8-Triebwerk.

Die sechste Generation (2012) war länger und breiter als die Generation davor, brachte gleichzeitig aber rund 40 Kilogramm weniger auf die Waage. Außerdem gibt es Familienzuwachs: Der 3er Gran Turismo kombinierte elegante Proportionen mit einer erhöhten Sitzposition, einer coupéhaften Dachlinie und rahmenlosen Türen. Im Oktober 2018 ging schließlich der Vorhang für den BMW 3er der siebten Generation auf. Ab 2019 sah man die etwas längere und breitere Limousine dann auch im Straßenverkehr. Eine lange Haube, kurze Überhänge und ein fließendes Dach vermittelten weiterhin Dynamik und Fahrspaß.

Zukunft trifft auf Herkunft
Die Geschichte der 3er-Reihe ist eine der kontinuierlichen Weiterentwicklung. Über Jahrzehnte hinweg wurden Proportion, Fahrverhalten und Gestaltung immer wieder angepasst, ohne die grundlegende Logik der Baureihe zu verlassen. Mit der Überführung in die Neue Klasse verschiebt sich nun erstmals der Rahmen, innerhalb dessen sich diese Baureihe weiterentwickelt. Vorausgegangen ist ein über mehrere Jahre angelegter Entwurfsprozess, in dem BMW anhand einer Reihe von Designstudien – vom Vision Circular über Vision Dee bis hin zur Vision Neue Klasse – ein konsistentes Bild seiner zukünftigen Ausrichtung formuliert hat. Mit dem neuen BMW i3 wird das neue Design- und Technologiekapitel nun also auch innerhalb der 3er-Reihe wirksam. Als zweites Serienmodell der Neuen Klasse erreicht die neue Architektur damit jene Baureihe, die seit Jahrzehnten den Kern der Marke bildet. [SW]

