Das Rad der Zeit

Die Erfolgsgeschichte von Canyon Bicycles

Canyon Speedmax CFR Disc Di2, Image Credits: © Canyon 2022

Mit der Marke Canyon hat Roman Arnold das scheinbar zeitlose Konzept des Fahrrads in Richtung Zukunft gelenkt. Was in den Achtzigerjahren in der familieneigenen Garage begann, ist heute eine der beliebtesten und innovativsten Fahrradmarken auf dem internationalen Markt. 

Das Rad der Zeit lässt sich auch dann nicht anhalten, wenn man wie Roman Arnold, Mitbegründer von Canyon Bicycles, tief in der Materie steckt. Daran hat der gebürtige Koblenzer aber ohnehin kein Interesse, viel lieber möchte er mit seinen Fahrrädern der Zeit voraus sein. Sein Weg hin zur Erschaffung von Canyon begann in den Achtzigerjahren. Arnold fuhr damals selbst Radrennen, sein Vater hatte die Idee, bei den Wettkämpfen seines Sohnes Fahrradzubehör zu verkaufen. Weil das Geschäft gut lief, wurde schon bald die familieneigene Garage zur festen Verkaufsstelle umfunktioniert. Als sein Vater starb, übernahm Roman Arnold gemeinsam mit seinem Bruder Franc das Geschäft. 1985 eröffnete er in der Koblenzer Innenstadt sein erstes eigenes Fahrradgeschäft, in dem er Fahrräder anderer Marken und Zubehörteile verkaufte. Mitte der Neunzigerjahre erwarb Arnold von der Triathlon-Marke Quintana Roo die Erlaubnis zum Lizenzfertigen. Noch in demselben Jahrzehnt begann er eigene Fahrräder zu entwickeln und zu verkaufen. Anfang der 2000er gab das Unternehmen den Handel von Fahrrädern von Drittanbietern schließlich auf, um sich auf die eigene Marke, die damals schon unter dem Namen Canyon lief, zu konzentrieren. 

Mittlerweile zählt Canyon Bicycles zu den Pionieren im Fahrrad-Onlinehandel, außerdem sind die in Koblenz hergestellten Fahrräder auch im Profi-Radsport im Einsatz, etwa bei der Tour de France. Zahlreiche Meilensteine pflastern die Geschichte des Koblenzer Unternehmens: So präsentierte Canyon 2005 das leichteste Rennrad der Welt (3.764 Gramm), 2006 war man dem Markt mit der Entwicklung eines Rennrads mit hydraulischen Scheibenbremsen um viele Jahre voraus und 2008 erzielte Canyon in seinen internationalen Absatzmärkten erstmals mehr Umsatz als im deutschen Kernmarkt. Die Erfolgsgeschichte von Canyon begann zwar mit der Entwicklung von Rennrädern, die heutige Modellpalette reicht allerdings von professionellen Rennrädern über Gravelbikes und Mountainbikes bis hin zu Citybikes – immer mehr davon sind E-Bike-Versionen mit Elektromotorunterstützung.

Einfachheit, Präzision und Dynamik

Klarheit gehört zu den obersten Prämissen des Koblenzer Unternehmens. Das gilt auch für die Designsprache, zu deren wichtigsten Eckpfeilern Einfachheit, Präzision und Dynamik zählen. In aller Kürze bedeutet das: klare Linien und Kanten, klare Botschaften. 2017 wurde das Unternehmen im Rahmen des Red Dot Design Awards mit dem Ehrentitel »Red Dot: Design Team of the Year« ausgezeichnet. Im selben Jahr erhielten zwei Fahrräder aus der Koblenzer Technologie- und Designschmiede die Auszeichnung »Red Dot: Best of the Best«. »Ich muss ein Team von Leuten um mich haben, denen ich vertraue und die dieses Projekt mittragen können. Das müssen aber keine Ja-Sager sein«, erklärte Roman Arnold in einem Interview mit dem Tour Magazin. »Interessanterweise ist das Fahrrad viel älter als das Automobil. Der klassische Gedanke des Industriedesigns ist aber relativ spät in der Fahrradindustrie angekommen. Das Fahrraddesign ist eine noch relativ junge Disziplin. Wir sind also noch nicht an einem Punkt angekommen, der keine Innovationen mehr zulässt. Die Entwicklung geht immer weiter«, erzählt Lars Wagner, Senior Industrial Designer bei Canyon, anlässlich des Red Dot Design Awards 2017. Im Designprozess ist neben vielen anderen Komponenten auch das »Artwork« entscheidend, fügt Peter Kettenring, ebenfalls Senior Industrial Designer, hinzu. »Schrift, Grafik und Farbgebung sind sehr eng mit der Formgebung verbunden. Die Linienführung und die Kanten der Rahmen werden aufgegriffen und durch das Artwork verstärkt, sodass sie nicht durch den Lackiervorgang verschwinden. Es werden aber niemals Effekte erzeugt, die formal nicht da sind. Wenn dann irgendwann das fertige Fahrrad in unser Büro rollt, ist es schon ein alter Bekannter.«

Ziel der Marke ist es unter anderem, unterschiedliche Fahrräder unter einer Design- und Markensprache zu vereinen. Dabei sollte jede Linie, jedes Detail und jede Form Einfachheit und Präzision ausstrahlen. Wobei bestimmte Rahmenbedingungen, wie etwa notwendige Verbindungen und Verstrebungen, eine gewisse gestalterische Komplexität vorgeben. Die es, ist man bei Canyon überzeugt, jedoch so weit als möglich zu reduzieren gilt. Allerdings geht es nicht nur um Vereinfachung, hält Peter Kettenring fest: »Die beste Vereinfachung ist die, die nicht nur eine gestalterische Reduktion, sondern auch eine verbesserte Funktion erzielt.« 

 

 

 

Canyon Ultimate CF SLX 8 Di2

 

Kunst trifft Performance

Welch hohen Stellenwert Design bei Canyon hat, zeigt auch die »Canyon Ultimate Artist Edition«, die Rahmen und Performance des Canyon Ultimate mit der Designsprache renommierter KünstlerInnen verbindet. Für das auf 50 Exemplare limitierte Ultimate CF SLX 8 Disc LTD widmete sich der bekannte Berliner Industriedesigner Konstantin Grcic der Gestaltung des preisgekrönten Rahmens des Canyon Ultimate. Das Ergebnis: Ein vom markant-progressiven Stil des Designers geprägtes Rennrad, das unter anderem durch seine irisierenden und bunt-schimmernden Designelemente auffällt. Auf diese Weise entstehen je nach Blickwinkel der Betrachterin oder des Betrachters ständig wechselnde Reflexionen. Warum einer dieser Spezialeffekt-Decals sogar das Canyon-Logo überlagert, begründet Grcic folgendermaßen: »Es war ziemlich herausfordernd, die komplexe Geometrie des Rahmens mit grafischen Elementen zu belegen. Meine Gestaltung wurde immer abstrakter und reduzierte sich schließlich auf einige wenige, aber markante Elemente. Irgendwann kam es dann dazu, dass ich auch den Canyon Schriftzug überklebt habe. Nicht, weil ich ihn verstecken wollte, sondern weil sich das ganz natürlich aus dem kreativen Prozess am Bike ergeben hat. Radsport-Begeisterte erkennen das Ultimate direkt an seiner markanten Rahmenform – dazu braucht es kein Logo auf dem Rahmen.« Canyon-Gründer Roman Arnold über die Kooperation: »Es war mir eine Ehre, Konstantin Grcic und die anderen faszinierenden Persönlichkeiten für die Canyon Ultimate Artist Edition auszuwählen. Wir haben gezielt nach Künstlern gesucht, die sich genauso für den Radsport begeistern wie wir selbst. Wir hoffen, ihre Entwürfe inspirieren unsere Fans bei ihren sportlichen und kreativen Vorhaben.« 

 

 

Canyon Ultimate CF SLX 9 LTD

 

Als neuer Creative Director bringt Ultan Coyle gerade eine Vielzahl neuer Impulse und Designideen ins Canyon-Team. »Unsere Designerinnen und Designer sind in den verschiedenen Fahrradkategorien angesiedelt – sie sind ExpertInnen dafür, was beim Rennradfahren oder beim Downhill gut funktioniert. Ich bin für das Creative Design im gesamten Unternehmen zuständig«, erklärt Coyle, der von 2017 bis 2020 bereits für Canyon tätig war. 2022 kehrte er nach einigen Jahren als freiberuflicher Designer ins Unternehmen zurück. Er setzt fort: »Es gibt also einiges zu tun, um das Designteam zu unterstützen und sicherzustellen, dass wir über neue Farb- und Materialtrends Bescheid wissen und sie in den Produktionsstätten auf 3D-Rohrformen anwenden können.« Darüber hinaus möchte Ultan Coyle die Grenzen bei den in limitierter Auflage produzierten Fahrrädern noch ein Stückchen weiter hinausschieben. Die Spielräume bei Haptik und Aussehen ein wenig mehr auszureizen steht daher ebenso auf seiner Agenda wie bestehende Ideen zu hinterfragen. »Zu wissen, ob, wo und wann man aufhören sollte, gehört zu den schwierigsten Aufgaben in unserem Job«, stellt Coyle fest. 

Zudem ist Ultan Coyle davon überzeugt, dass beim Design von Fahrrädern die Funktion eindeutig Vorrang vor der Form hat. »Die Funktion besteht für mich vor allem darin, schnell und effizient zu sein. Für uns als Designteam bedeutet das unter anderem, die richtige Balance zwischen Geschwindigkeit und Komfort zu finden«, erläutert Coyle, dessen Ziel es ist, dass sich das Fahrrad wie eine Verlängerung der eigenen Gliedmaßen anfühlt. Das Gefühl, mit dem Fahrrad zu verschmelzen, ist für den Designer eine der einprägsamsten Erfahrungen, die man machen kann. [SW]

 

 

Canyon Spectral 29 CFR

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