Die C-Klasse im Aufbruch

Mercedes-Benz Vorstandsmitglied Mathias Geisen über Design, Marke und die Weltpremiere in Seoul.

lichtsignatur mercedes benz neue elektrische c-klasse designdetail

Seit dem 190  von 1982 und der ersten offiziell so benannten C-Klasse  von 1993 gehört die Baureihe zu den festen Größen im Modellprogramm von Mercedes-Benz. Über Jahrzehnte wurde an ihr immer wieder neu bestimmt, wie eine kompakte Mercedes-Limousine aussehen und auftreten soll. Mit der nun in Seoul vorgestellten ersten elektrischen C-Klasse  setzt Mercedes-Benz diese Linie einerseits fort und führt sie gleichzeitig gestalterisch in eine neue Richtung: mit elegant coupéhafter Silhouette, illuminiertem ikonischem Grill und einem Innenraum, der Komfort, Digitalität und das von Mercedes aktuell stark betonte »Welcome home« zusammenführt.

Dass diese Weltpremiere ausgerechnet in Seoul stattfindet, wirkt dabei folgerichtig. Kaum ein Ort verbindet technologische Gegenwart und ein ausgeprägtes Designbewusstsein so selbstverständlich wie die südkoreanische Hauptstadt. Für Mercedes-Benz, das Korea als wichtigen Premium-Markt mit hoher Affinität zu Limousinen und gestalterischer Qualität beschreibt, erhält die Einführung der elektrischen C-Klasse  damit auch eine symbolische Ebene. Im Rahmen der Weltpremiere sprachen wir mit Mathias Geisen, Mitglied des Vorstands der Mercedes-Benz Group AG, Vertrieb & Kunde, über die Rolle der C-Klasse  im Wandel der Marke, über die gestalterischen Spielräume eines globalen Kernmodells und über die Frage, wie eine Mercedes-typische Designsprache in sehr unterschiedlichen Märkten Bestand haben kann.

Chapter  Herr Geisen, wir erleben heute die Weltpremiere der neuen elektrischen C-Klasse – ein globales Volumenmodell im Premiumsegment. Welche strategische Bedeutung hat dieses Fahrzeug für Mercedes-Benz?

Mathias Geisen  Die C-Klasse  gehört zu den Top drei unserer meistverkauften Modelle und hat dementsprechend einen hohen Stellenwert für Mercedes. Außerdem schließt sie einen »White Spot« in unserem Portfolio: Ein elektrischer GLC  und eine elektrische C-Klasse  haben bisher gefehlt. Das sehen wir aktuell bereits sehr deutlich an den starken Auftragseingängen, etwa beim elektrischen GLC  in Europa, aber auch generell an der hohen Nachfrage nach unseren neuen elektrischen Modellen. Sei es der CLA, der zum Auto des Jahres 2026 gewählt wurde, der GLC  und der GLB, sie laufen alle sehr gut an. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Fahrzeuge mit Reichweiten von 700 bis 800 Kilometern inzwischen wirklich alltagstauglich sind und das Thema »Reichweitenangst« damit weitgehend an Bedeutung verliert. 

front grill der neuen elektrischen c-klasse mercedes benz

 

Der neue ikonische Grill mit Mercedes-Benz Lichtsignatur und 1.050 illuminierten Dots prägt den Auftritt der neuen elektrischen C-Klasse.

 

Chapter  Seoul wurde als wichtiger Premium-Markt wohl nicht zufällig als Schauplatz dieser Weltpremiere gewählt. Welche globale Botschaft soll dieser Ort für das Produkt und die Marke Mercedes-Benz transportieren? 

Mathias Geisen Wenn man ein Fahrzeug wie die neue elektrische C-Klasse  einführt, wählt man bewusst einen Ort, der die zentralen Eigenschaften des Produkts widerspiegelt. Was Korea und insbesondere Seoul auszeichnet, ist der sehr ausgeprägte Umgang mit Tradition und Innovation. Das passt gut zu unserer Marke Mercedes-Benz, die auf 140 Jahre Automobilgeschichte zurückblickt, sich darauf aber nicht ausruht, sondern technologische und gestalterische Entwicklungen konsequent weiter vorantreibt. Gleichzeitig ist Korea für uns ein sehr wichtiger Markt – der fünftgrößte weltweit, mit einer loyalen Kundenbasis und einer sehr hohen Affinität für Limousinen. Es ist zudem ein Markt mit sehr technikaffinen Kunden und einem hohen Anspruch an Design, Qualität und Ausführung. Wir haben hier im vergangenen Jahr auch das weltweit erste Maybach-Brand Center eröffnet. Vor diesem Hintergrund war Seoul ein sehr stimmiger Ort für diese Weltpremiere. 

Seitenansicht der neuen elektrischen C-Klasse von Mercedes-Benz

 

Mit ihrer coupéhaften, aerodynamisch optimierten Silhouette und den kurzen Überhängen wirkt die neue elektrische C-Klasse gestreckter und eleganter als je zuvor – bei Reichweiten von bis zu 762 Kilometern.

 

Chapter  Welche Rolle spielt Design-Innovation bei einem so zentralen Volumenmodell wie der C-Klasse? Sind die gestalterischen Spielräume hier enger definiert als bei Nischenmodellen? 

Mathias Geisen Vollelektrische Modelle wie die neue C-Klasse  eröffnen uns gänzlich neue Möglichkeiten. Proportion und Raum verändern sich. Das ist eine Chance. Design ist gemeinsam mit Marke in den meisten Ländern Kaufgrund Nummer eins. Deshalb ist es für uns hochrelevant, wie unsere Fahrzeuge aussehen. Das gilt für eine C-Klasse  genauso wie für einen SL. Gerade ein Volumenmodell muss das Mercedes-typische, ikonische Design prägen, da es den Kern der Marke nach außen trägt. Gleichzeitig dürfen emotionalere Modelle wie der SL expressiver auftreten. Man erkennt das gut an dem verbindenden Element unseres ikonischen Kühlergrills. Über ihn haben sich unsere Fahrzeuge seit 140 Jahren differenziert. Die C-Klasse  greift dieses Element genauso auf wie der GLC  und künftige Fahrzeuge. Abgeleitet ist der Grill von dem sogenannten Bienenwabenkühler, den Mercedes 1901 im Mercedes 35 PS  erstmals eingesetzt hat. Damals war das eine rein technische Lösung, die Wilhelm Maybach zur Kühlung des Motors realisiert hat. Und dieses Motiv greifen wir heute wieder auf und interpretieren es neu, etwa mit LEDs. Es ist ein stilprägendes, sehr authentisches Element. Im Rahmen der Transformation wird vieles digital, auch im Exterieur. Unser Ziel ist dabei, gestalterische Ansätze zu definieren, die unsere ikonischen, markenprägenden Elemente erhalten und zugleich unsere Modelle in die Zukunft führen. Ich finde, das zeigt die C-Klasse sehr gut. 

neue elektrische C-klasse von mercedes benz

 

Vier runde Rückleuchten im Stern-Design und das expressive GT-Heck schaffen eine eigenständige Identität bis in die Nachtwirkung hinein.

 

Chapter  Ein Modell wie die elektrische C-Klasse  muss weltweit funktionieren und zugleich auf sehr unterschiedliche Kundenbedürfnisse reagieren. Wie entwickelt Mercedes-Benz eine globale Designsprache, die in unterschiedlichen Märkten funktioniert – und wo ist lokale Anpassung notwendig? 

Mathias Geisen Eine globale Marke braucht global funktionierende Produkte. Eine Marke mit der Reichweite und Bekanntheit von Mercedes-Benz – wir gehören zu den zehn wertvollsten Marken der Welt – sollte sich nicht »auffächern«. Wir haben eine klare Markenidentität und einen einheitlichen globalen Markenauftritt. Gleichzeitig reagieren wir auf lokale Anforderungen mit lokalen Anpassungen. Konkret bedeutet das, dass wir nicht nur aus Sindelfingen heraus gestalten. Wir haben Designcenter in Carlsbad, in Nizza und in Shanghai. Dadurch können unsere Designer unterschiedliche kulturelle Strömungen früh antizipieren und in unsere Entwürfe einfließen lassen. So stellen wir sicher, dass wir als Marke führend bleiben – nicht nur technologisch, sondern auch gestalterisch. Die Lokalisierung findet dann vor allem in der Ausgestaltung statt. Für den chinesischen Markt bieten wir von bestimmten Modellen wie dem GLC  und auch der C-Klasse  zum Beispiel Versionen mit verlängertem Radstand an. Im Interieur gestalten wir die Anpassung etwa über Zierteile, Farbkonzepte oder Materialien. Dazu kommt die digitale Gestaltung des Innenraums. Das große Display ist nicht einfach nur eine Fläche, sondern eröffnet ganze Gestaltungswelten und verbindet sich buchstäblich mit dem Kunden. Wenn man etwa das Wallpaper ändert, verändern sich auch Ambiente- und Himmelbeleuchtung. Über solche Elemente können wir sehr individuell auf persönliche und lokale Vorlieben eingehen, ohne das Grunddesign des Fahrzeugs zu verändern. 

Heck der neuen elektrische C-Klasse Mercedes-Benz

 

Straffe Flächen, muskulöse Radhäuser und das fließend gezeichnete Heck geben der elektrischen C-Klasse eine neue Präsenz.

 

Chapter  Und umgekehrt gefragt: Wie stark beeinflussen wichtige Märkte – etwa Asien – die globale Designsprache von Mercedes-Benz, insbesondere im Hinblick auf technologische Entwicklungen und digitale Erwartungen? 

Mathias Geisen Asien beeinflusst unsere globale Designsprache genauso wie jede andere Region. Was wir grundsätzlich tun – und das gilt auch für Design – ist, unterschiedliche Entwürfe in sogenannten »Product Clinics« weltweit zu testen. So prüfen wir, wie unsere Fahrzeuge in verschiedenen Märkten wahrgenommen werden. Wir zeigen etwa chinesischen, amerikanischen oder europäischen Kunden erste Entwürfe neuer Fahrzeuge und erhalten wichtige Rückmeldungen, die dann in den Entwicklungsprozess einfließen. Der Geschmack unserer Kunden spielt bei der Entwicklung eines neuen Modells also eine große Rolle. 

 

Frunk der neuen elektrische C-Klasse Mercedes-Benz

 

Der 101-Liter-Frunk erweitert die elektrische C-Klasse um ein zusätzliches,
vollwertiges Stauraumfach.

 

Chapter  Sie bringen diesbezüglich viel Erfahrung aus Ihrer bisherigen Karriere bei Mercedes-Benz mit – im Produktmanagement, in Strategie und Portfoliomanagement. Wie prägt dieser Hintergrund Ihren Blick auf Design und die übergeordnete Markenstrategie? 

Mathias Geisen Ich hatte in meiner Karriere tatsächlich das Glück, sehr unterschiedliche Bereiche kennenzulernen. Ich habe lange im Pkw Produktmanagement gearbeitet, danach den Vertrieb und das Produktmanagement der G-Klasse  geleitet – ein toller Job! Anschließend habe ich die Geschäftseinheit Vans verantwortet, wo Design noch einmal eine ganz andere Rolle spielt. Vor meiner Rolle bei Mercedes-Benz Vans habe ich außerdem die Konzernstrategie geleitet und bin nun wieder zurück im Produkt- und Markenkontext. Dadurch habe ich einen breiten Blick und weiß um die Bedeutung von Design. Design ist einer der zentralen Kaufgründe überhaupt. Entsprechend messen wir dem Design eine große Bedeutung bei, und zwar im gesamten Produktentstehungsprozess. Gleichzeitig gilt bei Mercedes-Benz grundsätzlich der Anspruch: Wir wollen die begehrenswertesten Fahrzeuge der Welt bauen. Auch ein Sprinter hat den Anspruch, das attraktivste gewerbliche Fahrzeug in seinem Segment zu sein – so wie eine S-Klasse  den Anspruch hat, das attraktivste Fahrzeug der Oberklasse zu sein. Ich finde, der Sprinter ist im gewerblichen Bereich ebenso designprägend, wie es unsere Fahrzeuge im Privatkundenbereich sind. 

interior und screen der neuen elektrischen C-Klasse mercedes benz

 

Im Innenraum verschmelzen der über die geamte Fahrzeugbreite gezogene MBUX-Hyperscreen, Ambientelicht und neue Materialwelten zu einer deutlich digitaleren Komfortzone.

 

Chapter  Zurück zur neuen elektrischen C-Klasse: Sie haben kürzlich Status, Individualisierung, Komfort, Sicherheit und Intelligenz als prägende Faktoren im heutigen Premium-Verständnis von Mercedes-Benz beschrieben. Wie würden Sie die neue elektrische C-Klasse  innerhalb dieses Koordinatensystems verorten? 

Mathias Geisen Die C-Klasse  spricht eine breite Kundengruppe an und verkörpert die Grundwerte von Mercedes: Komfort, Sicherheit, Qualität und Design. Bei diesem Fahrzeug spielt aus meiner Sicht das Thema Design eine große Rolle, vor allem aufgrund der Proportionen: Es ist einfach ein fantastisches Fahrzeug geworden. Gleichzeitig macht die neue C-Klasse  auch bei Komfort, Sicherheit und insbesondere bei Innovation und Intelligenz einen sehr großen Sprung, etwa beim automatisierten Fahren.

mathias geisen vorstandsmitglied von mercedes benz

 

Mathias Geisen, Mitglied des Vorstands der Mercedes-Benz Group AG, bei der Weltpremiere der neuen elektrischen C-Klasse in Seoul.

 

Chapter  Wenn wir abschließend auf die Zukunft von Mercedes-Benz blicken: Was ist Ihre persönliche längerfristige Vision für die Marke – über einzelne Modelle und Technologien hinaus? Und welche Rolle spielen dabei neue Markenfelder wie Branded Real Estate oder andere Bereiche, in denen sich Mercedes-Benz zunehmend engagiert? 

Mathias Geisen Egal, was wir tun: Mercedes-Benz hat immer den Anspruch, Maßstäbe zu setzen. Dies ist sehr tief in unserer DNA verankert. Es gilt für Technologie im Fahrzeug genauso wie für den gesamten Markenauftritt. Die Stärke unserer Marke definiert sich nicht ausschließlich über unsere großartigen Produkte, sondern über das Zusammenspiel von Produkt, Marke und Kundenerlebnis. Unser Ziel ist es, in allen Bereichen das Beste zu liefern, sodass sich die Kunden bei der Marke rundum wohlfühlen. Kurz gesagt: Was auch immer der Kunde sucht – an Mercedes-Benz darf kein Weg vorbeiführen. Das muss unser Anspruch sein, und das ist unser Anspruch. [CPS]

 

My Cart Close (×)

Ihr Warenkorb ist leer
Browse Shop