Dialog der Epochen

Im Gespräch mit Sammler Maxime Flatry

Photo Credits: Mathilde Hiley

Maxime Flatry sammelt und handelt mit Antiquitäten, sein Fokus liegt auf Möbelstücken des französischen Art Déco. Große Namen wie Jean-Michel Frank oder André Arbus sind dabei täglicher Bestandteil in seiner Arbeit, obwohl er selbst mit erst 31 Jahren wohl deutlich unter dem Durchschnittsalter des typischen Antiquitätenhändlers liegt und gerade mal seit letztem Jahr hauptberuflich in diesem Bereich tätig ist.

Paris, Quai Voltaire. Am linken Ufer der Seine, finden sich einige der exklusivsten Galerien der Stadt, unter ihnen auch die Galerie Chenel, eigentlich auf Skulpturen der Antike spezialisiert. Aktuell findet man dort jedoch, neben ägyptischen und römischen Büsten, auch deutlich jüngere Exponate. Art Déco Möbel aus den Zwanziger- bis frühen Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Maxime Flatry stellt hier gerade seine aktuellen Stücke aus. Dabei dient die Galerie Chenel nicht nur als leergeräumter Pop-Up-Store, vielmehr haben sich Adrien Chenel und Maxime Flatry zusammengetan, um eine selten dagewesene Liaison zu inszenieren und lassen zwei weit voneinander entfernte Epochen, Art Déco und Antike, in einen Dialog miteinander treten.

 

Photo Credit: Mathilde Hiley
Photo Credit: Adrien Chenel

Im Sinne der Harmonie wurde in den Räumlichkeiten der Galerie dabei auf sanft gedimmtes Licht gesetzt und insgesamt versucht eine warme Atmosphäre zu schaffen. »Antike Kunst ist normalerweise fast ausschließlich im musealen Kontext erlebbar, wir haben bewusst die weißen Wände der Galerie mit Stoff verkleidet und Teppiche ausgelegt, um eine eher wohnliche Atmosphäre zu schaffen«, beschreibt Flatry den Kuratierungsprozess. Tatsächlich wirkt die Ausstellungsfläche mehr wie ein luxuriöses Apartment als eine klassische Galerie. Die Frage, wo Inneneinrichtung aufhört und wo die Kunst anfängt, liegt hier nahe.

Flatry deutet auf eine Bodenlampe von Serge Roche von 1935, die zusammen mit einer antiken Büste neben sich ein skulpturales Duo bildet. »Würde man die Kabel entfernen und alle technischen Elemente entfernen, wäre auch die Lampe eine Skulptur. Der Übergang ist also fließend. Ich verkaufe Einrichtungsstücke, mit denen meine Kunden wohnen sollen, aber ob das nun ein Sessel oder ein Kunstwerk ist, auf dem man sitzt, das muss jeder selbst entscheiden.«

 

Photo Credit: Mathilde Hiley
Photo Credit: Mathilde Hiley

Auf die Frage, ob ein Dialog seiner Art Déco Stücke auch mit anderen Epochen in ähnlicher Harmonie denkbar wäre, hat Maxime Flatry eine klare Antwort parat: »Ja, ich kann mir eigentlich keine Kunstphase vorstellen, die nicht eine gewisse Gemeinsamkeit mit Art Déco aufweist. Zeitgenössische Kunst beispielsweise mag im ersten Moment in ihrer Ästhetik nicht wirklich zum Art Déco passen, doch der Schaffensansatz der Künstler ist ein ähnlicher. Art Déco ist der Beginn der Moderne, viele Stücke sind wirklich intellektuell durchdacht. Jean-Michel Frank beispielweise war ein Meister im Spiel mit Proportionen. Es geht ähnlich wie bei den heutigen, zeitgenössischen Künstlern auch beim Art Déco oft um eine gewisse Intention.«

Als Beispiel dient Flatry eine Konsole des von ihm so verehrten Jean-Michel Frank. »In Ihren Maßen ist sie durchaus massiv, doch durch ihre Proportionen ist sie extrem dezent, Frank hat versucht Dinge unabhängig von ihrer Größe fast verschwinden zu lassen.« Dass Flatry zu seinen Möbeln eine echte Liebe verbindet, merkt man nicht nur im Gespräch mit ihm, auch die Qualität, mit der er die einzelnen Stücke aufarbeiten lässt, spricht Bände.

 

Photo Credit: Jean-Michel Frank

»Es ist eine Frage des Respekts, dass ich für jedes einzelne Möbel den perfekten Restaurateur finde. Die Aufarbeitung eines Klassikers muss immer sanft geschehen. Und die Form muss gewahrt werden, bei Stoffen allerdings kann man durchaus auch Neues wagen«, beschreibt Flatry den Aufarbeitungsprozess der Stücke, die er oftmals im unperfekten Zustand findet. Dabei ist die Suche nach den diversen Möbeln eine wahre Vollzeitbeschäftigung. »Ich suche einerseits gezielt nach bestimmten Möbeln für Auftraggeber, aber halte dabei natürlich immer die Augen offen, ob mir ein besonderes Stück begegnet. So entsteht dann auch die Sammlung eben der Stücke, die ich dann zum freien Verkauf ausstelle.« Der Prozess funktioniert, wie die fein selektierten Kunstwerke in der Galerie Chenel beweisen. [AD]

 

Photo Credit: Mathilde Hiley
Photo Credit: Mathilde Hiley

»INTERIEUR, Art Déco / Art Classique«, bis zum 22.12.2021 in der Galerie Chenel

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